Am Arbeitsmarkt angekommen

Studierende und Praktiker diskutierten den Wert des Bachelorabschlusses / Förderverein Wirtschafts- und Rechtswissenschaften hatte zum Praktikerforum eingeladen

Oldenburg. "Wir spüren bei den Studierenden eine große Verunsicherung, ob sie mit ihrem Bachelorabschluss am Arbeitsmarkt ankommen oder ob sie von vornherein ihren Master aufsatteln sollen", stellte Universitätsprofessor Dr. Thomas Breisig zu Beginn der Podiumsdiskussion zum Thema "Was ist der Bachelor wert?" am 12.01.2012 in der Universität Oldenburg fest. Der Förderverein Wirtschafts- und Rechtswissenschaften hatte Studierende und Personaler aus der Region zu einem Praktikerforum eingeladen, um die Akzeptanz des neuen Abschlusses zu diskutieren.

Dieser Verunsicherung begegnen konnte Christiane Konegen-Grenier vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Sie stellte in ihrem Impulsreferat die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie vor, die das IW Köln gemeinsam mit dem Hochschul-Informations-System (HIS) und dem Stifterverband für die deutsche Wissenschaft vorgelegt hat. "Diese lassen den vorsichtigen Schluss zu: Der Bachelor ist am Arbeitsmarkt angekommen", so Konegen-Grenier. In Anbetracht der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Bachelorabsolventen weiterstudiere, hätten sie sich gut in die private Wirtschaft integrieren können: Fast jedes achte Unternehmen beschäftige derzeit Bachelorabsolventen.

Bei der Mehrheit der Unternehmen werden die Bachelors auf den gleichen Einstiegspositionen eingesetzt wie andere Hochschulabsolventen auch: Sie beginnen überwiegend mit der Sachbearbeitung oder mit der eigenständigen Bearbeitung einer Projektaufgabe. Grundsätzlich stehen den Bachelors – abgesehen von Forschungsabteilungen – alle Bereiche in den Unternehmen offen.

Das konnten die eingeladenen Personalverantwortlichen in der anschließenden Podiumsdiskussion bestätigen. "Es kommt weniger auf den Abschluss an, sondern vielmehr auf die Persönlichkeit“, betonte Johannes Reichelt, Personaldirektor der Landessparkasse zu Oldenburg, in seinem Statement. Er müsse spüren, dass der junge Bewerber mit Eifer dabei sei und nicht nur studiert, sondern auch mal über seinen Tellerrand hinaus geschaut habe. Thomas Breiding von der Heidelberger Zentrale des Finanzdienstleisters MLP unterstrich ebenfalls, wie wichtig es sei, während des Studiums Praktika zu absolvieren, wenn möglich, sogar im Ausland. "Da kommt es für uns als Arbeitgeber nicht mehr so darauf an, ob ein Bachelorabsolvent die vorgegebene Semesteranzahl eingehalten hat", so Breiding weiter.

"Wir bieten grundsätzlich allen akademischen Berufsanfängern unabhängig von der Art des Abschlusses die gleichen Einarbeitungsmaßnahmen an", berichtete Martin Ehlis, der im Oldenburger IT-Unternehmen BTC das Recruiting von Hochschulabsolventen verantwortet. Stefan Spoede, Personalleiter des Nordenhamer Premium Aerotec-Werks, ergänzte, dass fast jedes Unternehmen darüber hinaus die Möglichkeit zu einem berufsbegleitenden Masterstudium biete und dies mit teilweiser Freistellung und Gebührenübernahme unterstütze. Daneben hätten nahezu alle Unternehmen interne und externe Weiterbil-dung zur Karriereentwicklung im Angebot.

Bei grundsätzlicher Zufriedenheit mit den Bachelorabsolventen sahen die Unternehmensvertreter aber mehrheitlich noch Verbesserungsbedarf bei der Bologna-Reform. Das betrifft vor allem den Praxisbezug der Lehrinhalte und – trotz der tendenziell positiven Bewertung der Absolventen – auch die Vermittlung der sozialen und kommunikativen Kompetenzen.

Björn Gribbe (rechts), Vorsitzender des Fördervereines Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, begrüßte die Praktiker in der Universität Oldenburg (von links): Martin Ehlis, Stefan Spoede, Christiane Konegen-Grenier, Johannes Reichelt und Thomas Breiding.