In die Ferne schweifen? Karriere ist zum Greifen nah

Berufseinstieg – Chancen für junge Akademiker in Region – Unsicherheit bezüglich Bachelor/Master

Oldenburg/GVN – Viele junge Menschen, die in der Region aufgewachsen sind, und hier studiert haben, zieht es nach ihrem Abschluss in die Ferne, dabei heißt es doch schon bei Goethe: „Willst Du immer weiterschweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.“

Tatsächlich bietet die Region vor der Haustür jungen Akademikern einen „bunten Reigen von Karrierechance in einer Vielzahl verschiedener Fachrichtungen“, wie es Ulf Mindermann, Führungskraftentwickler bei EWE, ausdrückte. An der Universität veranstaltet der Förderverein von Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, dem Mindermann als Beisitzer angehört, am Dienstagabend ein Praktikerforum unter dem Titel „Karrierechancen in der Region“. Vier Vertreter regionaler Unternehmen stellten Studenten ihr Geschäft und, vor allem, Einstiegs- und Aufstiegsmöglichkeiten vor.
Dass seine Firma bisher keine Nachwuchsprobleme habe, sei vor allem dem attraktiven Betriebsklima zu verdanken, erklärte Rainer Krause von Büsing & Fasch (Oldenburg). „Büfa gehört zu den zehn familienfreundlichsten Unternehmen Deutschlands“, so Krause. Von Bewerbern erwarte der Personalleiter vor allem ein individuelles Bewerberprofil, das zu dieser Firmenkultur passe. „Kalte Karrieretypen“, so Krause, seien weniger willkommen. Fachlichkeit sei natürlich die Grundvoraussetzung, wichtiger seien aber die Charaktereigenschaften des Aspiranten.

Ähnlich sei es bei Nanu-Nana (Oldenburg): „Fachwissen ist sekundär“, erklärte Andreas Meyer, Persönlichkeit zähle, insbesondere die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen. So könne auch der Quereinstieg gelingen – im Verkauf beschäftige Nanu-Nana auch Geisteswissenschaftler. Vakanzen gäbe es aufgrund ständiger Expansionen so gut wie immer.
Auch bei BTC (Oldenburg) lohne sich eine Bewerbung jederzeit, betonte Martin Ehlis. Das IT-Beratungsunternehmen stelle zur Zeit 20 neue Mitarbeiter pro Monat ein. Eine attraktive Variante des Berufseinstiegs für „High Potentials“ – Absolventen mit überdurchschnittlich guten Leistungen – sei das BTC-Trainee-Programm. Nächster Assessment-Center-Termin sei Ende Februar – Bewerbung noch möglich.

Alfons Kosse von der Treuhand Oldenburg betonte, dass Universitätsabgänger oftmals nicht genügend Praxiserfahrung mitbrächten. Absolventen müsse man, salopp gesagt, oft erklären, wie ein Leitz-Ordner zu öffnen sei – Praktika oder eine abgeschlossene Ausbildung sind dementsprechend gern gesehen.
Uneinig waren sich die Referenten bezüglich der Frage, wie die neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master zu bewerten seien. Andreas Meyer sagte, bei Nanu-Nana herrsche noch Unsicherheit, ob die Bachelor/Master-Absolventen die „alte Qualität“ mitbrächten. Für EWE hingegen sei der Abschluss nebensächlich, sagte Ulf Mindermann – „spätestens im Job trennt sich Spreu von Weizen“.